Sečanj forscht…

Neuigkeiten gibt es aus Sečanj zum Projekt „Ungleiche Vielfalt“, im Rahmen dessen vier Schulen aus Wien, Serbien und der Türkei unterschiedliche Themen in Bezug auf kulturelle Vielfalt und sozioökonomische Ungleichheit erarbeiten. Von den Klassen aus Serbien liegen nun erste Ergebnisse ihrer Forschungsfragen und eine Darstellung ihrer Arbeit vor.
Laura Köfler | 18.06.2010

In der Rolle des/r Interviewers/in

Die siebte Schulstufe der serbischen Partnerschule Aleksa Šantić in Sečanj, die sich in den letzten Wochen ganz den Themen „Berufsaussichten und Zukunftswünsche“ widmete, gewann durch ihr methodisches Vorgehen anhand von Interviews und Fragebögen durchaus interessante Erkenntnisse. Ihre wissenschaftliche Vorgehensweise und jene der fünften und sechsten Schulstufe wurden nun gemeinsam mit den erzielten Ergebnissen in einer Dokumentation, zum Teil auch auf Serbisch, Kyrillisch und Englisch, zusammengetragen.

In beiden Klassen der siebten Schulstufe wurden anfangs verschiedene Forschungsteams gebildet. Dabei interessierten sich die InterviewerInnen insbesondere für die Freizeitgestaltung und die Aussichten über die zukünftige berufliche Laufbahn ihrer MitschülerInnen. Nachdem die Fragen ausgearbeitet und zunächst den InterviewpartnerInnen erklärt wurden, hatten die SchülerInnen zwei Wochen Zeit, um ihre Daten zu erheben. Anschließend wurden die Ergebnisse gemeinsam diskutiert, analysiert und auch graphisch in Diagrammen veranschaulicht.
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Facebook vs. Computerspiele

Dabei kam heraus, dass die Schülerinnen ihre Freizeit gerne mit ihren FreundInnen beim Volleyball spielen verbringen. Die Burschen zeigten sich hier eher an Fußball interessiert und gaben an, sich in ihrer Freizeit auch mit Computerspielen zu beschäftigen. Dafür sei das Internet besonders nützlich. Im Gegensatz dazu nutzen die Mädchen das Internet eher, um sich per Facebook oder Chat-rooms mit FreundInnen auszutauschen. Während außerdem etwa ein Drittel der Mädchen Gitarre spielen, gaben alle Burschen an, kein Instrument spielen zu können. Große Unterschiede zeigten sich auch bei der Frage, wer später gerne studieren würde. Im Gegensatz zu den Mädchen, bei denen alle mit Ja antworteten, äußerte bei den Burschen lediglich etwas mehr als die Hälfte den Wunsch, ebenfalls eine Universität zu besuchen.

Die fünfte und sechste Klasse hingegen entwarfen einen Fragebogen zu den Themen Familiengeschichte und soziale Herkunft, anhand derer Erkenntnisse in Bezug auf die Zusammenhänge des kulturellen und sozialen Status und den unterschiedlichen Herkunftsregionen erzielt werden sollen. Passend zum Überthema räumliche und soziale Mobilität, bezogen sich die Fragestellungen des anonymen Fragebogens auf den bisherigen Bildungslauf, die Zufriedenheit über den momentanen Wohnsitz, aber auch darauf, wer im Haushalt die Hausarbeit erledigt. Des Weiteren wurde nach einem erlebten Wohnwechsel gefragt, sowie diesbezügliche Erfahrungen von Seiten der Eltern.

Fruštuk und Knedla

In der Serbischstunde verfassten die SchülerInnen Aufsätze zum Thema „Mein altes Einfamilienhaus“. Auch Gespräche von den SchülerInnen mit deren Großeltern sind Teil deren Erarbeitung zum Thema Familiengeschichte und soziale Herkunft. In den Gesprächen mit ihnen berichteten sie über die Rolle des Familienoberhauptes in ihrer Familie oder auch über die Bedeutung des Hauspatronenfestes, bei dem man vier Tage lang, egal ob arm oder reich, den eigenen Namenspatronen bei Speis und Trank zusammen mit anderen DorfbewohnerInnen feiert.

Interessant war auch die Liste einiger Germanismen, die es in der serbischen Sprache gibt. So zeigten sich beim serbischen Fruštuk und den Knedla deutlich gewisse Ähnlichkeiten zum deutschen Frühstück und den Knödeln.

Sečanj als optimales Forschungsgebiet

Neben Auszügen aus den bisherigen Arbeiten der SchülerInnen fanden auch deren Eindrücke sowie jene der LehrerInnen bezüglich des Besuchs des Wiener Forschungsteams Ende April Platz in ihrem vorläufigen Bericht. Daraus geht hervor, dass die Reise von vielen als eine Möglichkeit gesehen wurde, ihre Sprachkenntnisse zu prüfen und zu erweitern und die Lehrpersonen eine Vertiefung der Zusammenarbeit mit den Schulen in Wien anstreben. Deutschlehrerin Jasna Turkulj betonte, dass Sečanj sich für das „Ungleiche Vielfalt“-Projekt als Forschungsgebiet besonders gut eigne, da multikulturelle Gesellschaften dazu verhelfen würden, gegenseitige Vorurteile abzubauen und daher die kulturellen Unterschiede als Reichtum gesehen werden müssen. Bezüglich des Aufenthalts des Wiener Forschungsteams gaben einige SchülerInnen jedoch auch an, dass ihnen die Diskussion zu den Forschungsthemen in einer Fremdsprache zum Teil recht schwer gefallen sei.



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